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Exclusive Interview mit Geeno

2. Oktober 2007 HipHop Interviews

Der Mainzer und Ex-Buckwheats Künstler Geeno, der unter anderem durch sein Video „Meine Zeit“ und seinem Auftritt auf dem Buckwheats – Labelsampler bekannt wurde, hat in der letzten Woche in Form einer Freedownload LP, die ihr auch hier bei uns im Downloadbereich findet, wieder reden von sich gemacht. Er bezeichnet „Strassenhighsociety“, wie das gute Stück heisst, als warmup für sein im nächsten Jahr erscheinendes Album. Wir haben Geeno ein paar Fragen über seine Musik und die Zukunft  gestellt…

Exclusive Interview mit Geeno

Hey Geeno Alles Klar bei dir? Was gibt’s neues? Stell
dich doch mal kurz vor für die Leute die dich noch nicht kennen.

 

Geeno: Ich bin Geeno, rappe seit ner ziemlich langen Zeit. Habe
damals mit Freestyles angefangen, war in mehreren Crews, hab dann aber irgendwann
gemerkt, dass ich das ganze hier Solo angehen muss. Dann hab ich 2004 einfach
mal so „Das Meine Zeit“ Video in die Umlaufbahn geworfen, da gings dann erst
mal so richtig los. Einige Leute kennen mich vielleicht von den zahlreichen
Features und Tracks auf den Buckwheats Releases oder z.B. vom Prinz Pi Album.
Derzeit bin ich ohne Label und mach hier mein eigenes Ding, arbeite bisschen in
der Szene, organisiere auch seit neustem Jams, und habe vor kurzem
„Strassenhighsociety“ gedroppt.

Im letzten Jahr kam es ja zur Trennung zwischen
Buckwheats und dir, ich will jetzt gar nicht genau hinterfragen aus welchen
Gründen dies geschehen ist. Allerdings ist dein Freund Turkish ja immer noch im
Lager von Seppo, stellt das kein Problem für einen von euch dar?

Geeno: Dazu muss man natürlich wissen, dass Turkish und ich uns
schon seit fast 10 Jahren kennen. Wir sind zusammen aufgewachsen. Das war alles
noch lange vor der ganzen Rapsache. Es gibt sehr viele Sachen die uns
verbinden. Wir sind wie Brüder. Das war nie ein Thema und wird es auch nie
sein. Wir haben da mal 5 Minuten drüber geredet, und damit war die Sache
geklärt. Es gibt wenige Sachen die einen Keil zwischen uns werfen könnten.
Also, alles cool.

Wie sieht dein Verhältnis zu den andern Künstlern auf dem
Label aus?

Geeno: Wenn wir uns sehen, ist alles cool. Es gäbe auch keinen
Grund warum das anders sein sollte.

Wie sieht deine musikalische Zukunft denn nun aus, wo
wird dein Album erscheinen, gibt es ein Label oder wirst du das in Eigenregie
regeln?

Geeno: Wie gesagt ich habe ja jetzt dieses Free Download Ding
rausgebracht, um in erster Linie meinen Anhängern was zu geben und denen einen
Gefallen zu tun. Andererseits aber auch, um abzuchecken was so geht, wie die
Resonanz in der Öffentlichkeit ist. Und bisher gab es nur positives Feedback,
auch von einigen Labels, d.h. da könnte sich was entwickeln. Wenn nicht mache
ich das alles auf eigene Faust. Wir werden jetzt bald mit den Aufnahmen zum
Album anfangen. Kommt Zeit, kommt Rat.

Früher hattest du ja viel mit Shuko zu tun, deine Anfänge
hast du mit ihm erlebt,  arbeitet ihr
fürs Album noch mal zusammen?
geenolive

Geeno: Leider habe ich Shuko schon längere Zeit nicht mehr
persönlich getroffen, da er ja auch sehr busy ist, wie man mitkriegt. Aber ich
habe erst vor kurzem mit ihm gemailt. Er hat mir zur Platte gratuliert. Und,
mal sehen, von meiner Seite aus gerne.

Man hört ständig HipHop ist Tot, ich empfinde HipHop und
die so genannte Community so facettenreich und lebendig wie noch nie zuvor, was
sagst du dazu? HipHop ist Tot aber Rap lebt?

Geeno: Auf der einen Seite hast du Recht. „Hip Hop“ ist überall,
man kann ihm gar nicht mehr aus dem Weg gehen, aber wie du sagst, ist es doch
nur die Rapmusik die im Focus steht. Für mich ist diese „HipHop ist tot“
Aussage eher darauf bezogen, dass es z.B. diese ganze Jam Kultur nicht mehr so
gibt. Also das war ja auch meine Zeit. Dieses Familien Ding. Mit B-Boys
abhängen im Juz, Rap Cyphers vor der Tür und all das. Das ist fast weg. Und
wird auch in dieser Form nie wieder zurück kehren, da die neuen Generationen
nicht kennen. Und wer soll es ihnen vormachen? Rap ist ohne Frage nicht tot, es
ist sehr groß. Und das ist auch gut so, denn ich sehe lieber nen schlechten Rap
Song auf Platz 1 der Charts, als einen guten Country Song.

Internet Fluch oder Segen?

Geeno: Wenn man weiß wie man sowohl mit den Vorteilen als auch mit
den schlechten Facetten des Internets umgehen muss, dann ist es durchaus ein
Segen. Allein schon, dass ihr dieses Interview ohne großen logistischen Aufwand
hier einfach präsentieren könnt zum Beispiel. Natürlich wird aber durch das
Internet auch jeder mögliche Dreck nach draußen transportiert.

Auf dem Buckwheats Labelsampler rappst du in einer Zeile,
dass „Ali“ kein Bänker werden könne und überhaupt hört sich deine Meinung über
Deutschland eher negativ an. Denkst du heute noch genauso wie zu dieser Zeit?
Ich fand den Track an sich Hammer jedoch konnte ich mit deiner Meinung nicht
ganz Konform gehen…

Geeno: Ich habe mich da immer ein bisschen missverstanden gefühlt.
Denn für mich ging es nicht darum, zu sagen, „Deutschland ist scheiße“ oder so.
Ich bin ja Türke, und ich wollte nur mal zeigen, wie ich bzw. wir das hier
alles sehen. Sogar meine damalige deutsche Chefin, die überhaupt kein Rap hört,
feiert den Song heute noch. Sie hatte es aber verstanden, sie sagt zu mir „Ich
mag den Song, weil so wie du die Sachen sagst, kann man sich mal da
reinversetzen wie es den Einwanderern und ihren Kinder so geht hier“. Darum
ging es mir. Das das natürlich teilweise zugespitzt formuliert ist auf dem
Track, ist klar, aber das geht unter die Sparte „Stilmittel“.


Ich möchte dir gerne ein paar Schlagworte nennen die du zu
einem Satz vervollständigen sollst…

 Geeno:

Deutschrap, ist hoch interessant, aber es muss wieder eine
Wende geben durch ein Album was wieder eine neue Ära einleiten wird.

Gangsterrap, soll Gangster zu Rappern machen, und nicht
Rapper zu Gangstern, dann ist es gut.

Deutschland, spielt endlich wieder guten Fussball, so dass
man auch als Türke feiern kann, wenn die gewinnen.

Diese Frage habe ich schon Dj Mixwell gestellt, bin aber
sicher das du dazu auch was sagen kannst, denn du bist ja jetzt auch schon ewig
im HipHop am Start. Wie siehst du HipHop heute zu 1997 und in 10 Jahren?

Geeno: Natürlich enorm größer als alles vor 10 Jahren. Wie ich
vorher schon gesagt habe, ist es natürlich traurig mit diesen Jams und so. Und
heute sind auch die Grenzen verschwommen. Wo ist Rap, was ist Hip Hop, wo hört
was auf, wann fängt was anderes an. Die Medien, nehmen sich da natürlich raus
was sie wollen, schustern sich da irgendwas zusammen, und servieren das den
Kids „Hier euer Hip Hop, Schlägereien, Böse Wörter, Kanaken, Verboten Lieder,
dicke Autos…“. Früher ist man halt noch aufgefallen, mit ner Baggypants. Das
war so bisschen auch Rebellion dabei.

Also war früher cooler als heute, oder was ist heute besser
als früher außer die Präsenz und die Vernetzung untereinander?

Geeno: Sicher war es früher cooler in der
Hinsicht, dass es einfach lockerer war alles. Aber man musste natürlich einen
viel größeren Aufwand betreiben, um irgendwie als Künstler Aufmerksamkeit zu
bekommen. Ich kann mich ja auch nicht über dieses ganze Internet Ding
beschweren, da ich ja auch selber davon profitiere zur Zeit. Und ausserdem
müssen wir nicht mehr so sehr kämpfen um als Künstler oder Musiker anerkannt zu
werden. Die Leute ausserhalb wussten doch früher gar nicht, was sie mit diesen
„hip hoppern“ anfangen sollen. Also ich rede da von der Zeit, als Der Wolf und
Cappucino als deutscher Rap in den Medien verkauft wurden. So was gibt’s heute
nicht mehr so unbedingt, und das ist auch gut so.

Bist du noch Rapfan?

Geeno: Ja sicher, viele der Leute mit denen ich damals angefangen
habe, können sich fast gar nix mehr von dem heutigen Kram geben. Aber bei mir
ist es auch bisschen so, dass ich viel lieber die alten Klassiker höre.

Wenn feierst du denn im Moment?

Geeno: Zur Zeit bin ich bisschen auf diesem Grime Film, das hat mir
der Gute Chris von Soundbordell Prod ans Herz gelegt. In Deutschland gibt’s
derzeit aber auch nicht viel, was herausragend außergewöhnlich ist. Viele haben
immer noch nicht gelernt oder eingesehen was Flavour ist. Da kann die Technik
oder der Beat oder sonstwas noch so gut sein, kein Flavour, kein Charisma, ab
in die Tonne.

Wo siehst du dich in Zukunft? Sehr viele Leute sprechen dir
ein riesiges Talent zu, trotzdem bist du ja noch nicht wirklich in der breiten
Masse angekommen, außerdem wird es ja immer schwerer Platten zu verkaufen!?

Geeno: Naja, ich bin da auch schon Realist. Ich bin lange genug
dabei, hab eine Menge gesehen. Ich stell mich jetzt nicht hin und sage, ich
werd jetzt ein Star. Ich brauch das auch nicht, alles was ich durch Rap erlebt
habe, alle Erfahrungen, gute sowie schlechte, das alles hätte ich ohne Rap
nicht. Diese ganzen Erinnerungen und Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen,
wenn ich morgen aufhöre zu Rappen. Wie gesagt, ich muss keine 30000 Platten
verkaufen. Ich hab ne kleine aber treue Fanbase, ich tue hier in Mainz und in
der Region bisschen was für die Untergrund Rapper. Ich werde fast von allen
Seiten respektiert und gefeiert und hab mir keine Feinde gemacht, zumindest
keine die mir irgendwie gefährlich werden könnten:) Daher, einfach gute Musik
machen, Gigs spielen und was kommen soll, wird schon kommen. Alles Kismet.

Deutschrap ist im Moment auch in den Medien so stark
vertreten wie noch nie. Wollen die TV- und Radiosender nur ein Stück vom Kuchen
abhaben oder haben sie einfach erkannt, dass man hier Ami Rap nicht braucht?

Geeno: Ich kann von mir selbst sagen, dass ich Ami Rap durchaus
brauche. Natürlich wollen die Medien ein Stück vom Kuchen haben. Was heißt da
„ein Stück“? Eigentlich ist es ja ihr Kuchen, sie haben ihn gebacken. Aber ich
denke es werden zu viele Schichten auf diesem Kuchen, irgendwann wird er zusammenbrechen.
Und dann geht alles wieder von vorne los. Wie das schon oft passiert ist.

Ihr Kuchen? Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern in

denen TV und Radio sich geweigert haben deutschen Rap zu spielen, ich denke
eher das die Sender  nachziehen müssen!
Oder bist du der Meinung das die  Leute
das hören was die Medien vorgeben?

Geeno: Uns sollte jetzt schon klar sein, dass der Künstler
wahrscheinlich der ist, der am wenigsten an seiner Arbeit verdient, wenn alle
Rechnungen, Produktionskosten etc. bezahlt sind. Ich denke auch, dass die
Sender auch irgendwas anderes spielen bzw. unterstützen könnten und dennoch gut
damit fahren würden, und auch so würde z.B. Hip Hop weiterhin als Untergrund
und Nischenmusik weiterleben und die Konzerne würden halt mit irgendwas anderem
Kohle machen.

Früher wurde noch mehr Wert auf Style und Technik gelegt
heute ist Image das wichtigste was ein Künstler bieten musst wie stehst du
dazu?

Geeno: Natürlich ist Image wichtig. Das war es meiner Meinung nach
schon immer, nur wurde das nie so in den Vordergrund gestellt. Ich meine, die
Amis haben doch schon immer über Image verkauft. Und das ist auch nix
negatives, solange es bei einem Künstler noch tiefer geht. Das Image ist ja nur
das Drumherum, der erste Eindruck, aber nur wenn du das als Rapper in deinen
Songs auch ausfüllen kannst, wenn du mir das alles gut servierst, am besten
noch mit einem Style, der mich anspricht, dann ist doch gegen Image nichts
einzuwenden. Ich finde das schon interessanter.

Ok, aber nehmen wir nun mal das Beispiel Bushido, verkauft
er denn weil es bei ihm auch noch „tiefer geht“ oder weil er sich einfach nur
gut verkauft?

Geeno: Was Bushido da macht, ist als Gesamtpaket einfach ein
perfektes Produkt. Klar war es am Anfang viel roher, viel authentischer. Ich
finde aber immer noch, dass da immer noch alles stimmt, egal ob ich die
aktuelle Musik jetzt unbedingt mag oder nicht. Aber das ist einfach so, da ist
drin was drauf ist. Und im Zusammenhang mit der Imagediskussion, finde ich das
im Fall Bushido absolut in Ordnung, da gibt’s ganz andere Besispiele.

Was sind
deine „all time classics“?

Geeno: Ich gebe euch ma 5, denn wir haben mal mit meinen Jungs ne
Liste gemacht, da hatten wir ca. 30 und waren uns immer noch nicht einig, also:

Dr. Dre’s beide Chronics, Doggystyle, ATLiens Album von
Outkast und um was deutsches zu nennen, Das erste RHP Album.

Mit wem würdest du denn in nächster Zeit gerne
zusammenarbeiten?

Geeno: Über sowas hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich kann
das auch gar nicht so sagen, weil für mich auch das menschliche im Vordergrund
steht. Also ich stell mich da jetzt nicht hin und sage „den und den find ich
hammer…“. Alles entwickelt sich von selbst. Ich konzentriere mich erst mal
auf meine Leute hier, wir machen eh zu wenig miteinander, Razor, Gipsy,
Balkanatic und so meine Jungs auch aus Frankfurt.

Ok, dann können wir also gespannt sein was bei dir in

Zukunft so geht! Noch ein paar abschließende Worte an die Leser?

Geeno: Haltet eure Augen stets offen. Lasst euch nicht blenden.
Support the Real. Auf meiner MySpace Seite gibt’s weiterhin den Link zu meiner
Download Platte. Danke für den Support…

Wenn auch ihr Geeno Supporten wollt geht auf seine MySpace Seite hört euch sein Zeug an und feiert es. Über seine Space könnt ihr Ihn übrigens auch für Bookinganfragen kontaktieren, den im gegensatz zu vielen anderen ist er auch Live Burner und nicht nur Studiorapper! In diesem Sinne danke auch wir für den Support und erwarten euch im Forum!



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